Wenn ihr zu mir ins Studio kommt, ist eine der ersten Fragen oft: welcher Stil passt zu meinem Motiv? Meistens laeuft das auf Black & Grey oder Realistic hinaus, weil das meine zwei Schwerpunkte sind. Beide funktionieren ganz anders, sehen ganz anders aus, und nicht jedes Motiv funktioniert in jedem Stil. Hier ein Versuch das ohne Studio-Jargon zu erklaeren.

Black & Grey — die Sprache der Tonwerte

Black & Grey arbeitet ausschliesslich mit schwarzer Tinte, die durch verschiedene Verdunnungsgrade graue Tonwerte erzeugt. Es entstehen Bilder, die wie weiche Bleistiftzeichnungen wirken. Kein Farbrausch, kein hoher Kontrast, sondern Tiefe durch Schraffuren und sanfte Uebergaenge.
Was Black & Grey gut kann:
Warum Black & Grey langlebig ist: kein Farbverlust. Schwarz altert deutlich besser als Farben. Ein Black & Grey von 2015 sieht heute noch fast wie am Anfang aus, ein vergleichbares farbiges Motiv ist nach 10 Jahren oft sichtbar verblasst.

Realistic — der Versuch der Wahrheit

Realistic ist der Versuch, eine Vorlage so genau wie moeglich auf die Haut zu uebertragen. Wie ein Foto, nur in Tinte. Es kann farbig oder ebenfalls Black & Grey sein — die Stil-Bezeichnung Realistic bezieht sich auf den Detailgrad, nicht die Farbpalette.
Was Realistic kann:
Realistic braucht zwei Dinge: eine sehr gute Vorlage und ausreichend Flaeche. Eine briefmarkengrosse Frauensilhouette bekommt man nicht realistisch hin. Faustregel: Wenn das Motiv kleiner als eine Handflaeche ist, geht Realistic schwer.

Wann was — meine Tendenz nach all den Jahren

Wenn ich frei waehlen darf, schlage ich oft Black & Grey vor. Das ist nicht Bequemlichkeit, das ist Erfahrung: Black & Grey altert besser, vertraegt sich mit fast jedem Hauttyp und bleibt nach Jahrzehnten noch lesbar. Wer Realistic will, muss wissen worauf er sich einlaesst — gute Realistic-Tattoos brauchen mehrere Sitzungen, sind detailaufwendig und altern weniger gnaedig.
Realistic empfehle ich, wenn:
Black & Grey empfehle ich, wenn:

Vorlagen — die unterschaetzte Variable

Ich kann nur so gut werden wie die Vorlage es zulaesst. Was hilft:
Wenn die Vorlage nicht stimmt, sage ich das. Lieber eine Woche an einer besseren Vorlage arbeiten als ein Tattoo machen, das uns beide nicht gluecklich macht.

Beratungs-Termin — das eigentliche Geheimnis

Im Studio reden wir vor jedem groesseren Tattoo erst mal ohne Maschine. Wir gucken uns die Stelle an, sprechen ueber das Motiv, ich zeichne grob vor. Bei der Skizze sehen wir oft schon, ob Black & Grey oder Realistic besser passt. Manchmal entwickelt sich daraus auch ein Mix, also realistische Elemente in einer Black-&-Grey-Komposition.
Egal welchen Stil du willst — komm vorher zur Beratung. Ist kostenfrei, dauert eine halbe Stunde, und spart oft viel Aerger. Termin bekommst du ueber das Formular auf der Hauptseite oder direkt per Anruf.